Chemotherapie: Ein Rückblick

Dienstag, 29.09.2020

Ich schreibe diese Zeilen gute 2 Jahre nach Chemotherapieende.

Meine Chemotherapie dauerte circa 6 Monate und bestand aus 12 x wöchentlich nabPaclitaxel (1. Teil) und 4 x alle 2 Wochen Epirubicin und Cyclophosphamid (EC) (2.Teil).

Der erste Teil: Der für mich „leichte“ Teil

Den ersten Teil der Chemo hab ich sehr gut vertragen. Ich weiß noch, dass ich mir dachte, dass ich nun 6 Monate Vollzeitbetreuung für meinen Sohn brauchen würde. Und auch, dass mir sobald die ersten Chemotropfen in mich hineinrinnen werden es mir schlecht gehen wird.
So war es gar nicht. Es dauerte eigentlich einmal 2 Gaben – also 2 Wochen – bis ich überhaupt irgendwie gscheit was gemerkt habe an Nebenwirkungen.
Es ging sogar soweit, dass ich meine Haare doch nicht vorzeitig abrasiert habe, damit ich zumindest endlich an den Haaren sehe, ob das Zeug wohl wirkt.
Ich bekam Mittwochs meine Chemo und 2 Tage später fühlte mich ein wenig so als hätte ich einen grippalen Infekt. Wochenends konnte mein Partner dann auf unseren Sohn aufpassen. Mittwochs kam meist die Oma oder eine Freundin. Und falls ich am Freitag auch schon ein wenig schlapp war konnte auch eine Freundin einspringen.
Montags war ich dann wieder so fit, dass ich alleine auf F. aufpassen konnte, und das dann auch sehr genoss.
Generell wäre es sogar auch ohne Unterstützung irgendwie möglich gewesen, nur ich wollte mir auch Zeit und Ruhe für mich geben.
Gegen Ende der Chemo wurde es dann mühsamer (je mehr und länger dem Körper Gift verabreicht wird, desto mehr spürt mans dann auch). Ist aber auch nicht bei jedem gleich.
Man muss auch erwähnen, dass ich in die Chemo nicht ganz gesund gestartet bin. Ich hatte eine Verkühlung, aber wir wollten eben nicht noch länger warten, und endlich starten. Diese Verkühlung ist dann nie so richtig abgeklungen, was sich zB phasenweise in einer komplett fehlenden Stimme bemerkbar machte.
Also fit in die Chemo starten würde ich jeden empfehlen, bei dem es die Tumorbiologie zulässt. Mit 80% Wachstumsrate – wie in meinem Fall – sollte man nicht allzu lange warten…

2ter Teil – der für mich „heftige Teil“:

Der zweite Teil war für mich sehr fordernd. Ich hab die EC nicht gut vertragen. Und wie sich herausstellte vor allem das Cortison (gegen die Übelkeit) nicht. Wo bei anderen Cortison ein Hochgefühl und einen gesteigerten Appetit auslöst, löste es bei mir Depressionen, Tagalpträume und Appetitlosigkeit aus. (wies aussieht reagiere ich sehr sensibel auf Cortison alias Stress, was auch meine Depressionen die ich seit ich 24 bin gut erklärt)

Die erste EC Gabe war die Schlimmste. Ich fühlte mich psychisch sehr schlecht, und war körperlich sehr schwach. Vergleichbar mit einer echten Grippe (ohne Fieber) bei der man sich sogar aufs Klo schleppen muss. In den 2 Wochen bin ich sehr viel gelegen, das hat sich mit einem enormen Museklschwund gerächt. Das würde ich so nicht mehr machen. Zumindest Bettgymnastik mit erhöhtem Oberkörper wäre drinnen gewesen.
Bei den restlichen Gaben haben wir das Cortison reduziert (ganz weglassen wollte die Ärztin es nicht – zu groß war die Befürchtung, dass ich dann mit Erbrechen zu kämpfen hätte.
(Übrigens hab ich während der Chemozeit nur ein einziges Mal erbrochen, und das war ganz zum Schluss, als ich den präventiven Speibkübel eigentlich schon weggeräumt hatte. Und zwar habe ich da Schaum erbrochen… Sehr spannend.)

Während dieser 4 EC Gaben habe ich tatsächlich über einen Abbruch der Chemo nachgedacht. Ich hatte das Gefühl, dass mir diese mehr schadet als hilft (es tat sich größenmäßig dann auch nicht mehr so viel wie bei nabPacli – aber wie sich herausstellte war einiges davon nur noch Narbengewebe). Einmal habe ich eine Woche pausiert, weil ich wirklich das Gefühl hatte – ich kann nicht mehr. Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich die Chemo durchgezogen habe. Auch wenn sich vielleicht beim Haupttumor nicht mehr soviel an der Größe verändert hat, wer weiß ob die 4x EC nicht irgendwo im Körper eine MicroMetastase abgetötet haben.
Es sind mir auch erst ganz zum Schluss wirklich ALLE Haar ausgefallen. Was mir auch ein gutes Gefühl gegeben hat… So blöd das vielleicht klingt, aber dieses 1 Haar am Kopf und die 3 Schamhaare hatten mich daran erinnert, dass nicht vielleicht auch irgendwo in meinem Körper sich eine Zelle befindet, die genauso wiederstandsfähig ist wie diese 4 Haare.
Das macht natürlich medizinisch glaub ich wenig Sinn seine Haare als Inikator für den Erfolg der Chemotherapie heranzuziehen…
aber ja, so war das halt bei mir ;D

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